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wiki:expeditionen

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Expeditionen

Begriff

Lateinisches expedītio bedeutet ‘Erledigung, Abfertigung, Durchführung, Feldzug', also einen organisatorischen Vorgang, der zuerst militärisch gedacht wurde und in Begriffen wie Expeditionskorps, Expeditionsarmee bis heute erscheint.

In heutigen Begriffen zeigt 'expedition' als Letztglied besonders schwierige zivile Unternehmungen an: Arktisexpedition, Dschungel- oder Wüstenexpedition, Nord- oder Südpolexpedition, Polarexpedition, Such- und Rettungsexpedition, Tierfangexpedition. Gemeinsam ist diesen, dass nicht nur etwas erreicht, sondern auch zurückgebracht wird, welchem Wert zugemessen wird.

Im Vordergrund stehen dabei Erkundungs- und Forschungsexpeditionen. Im Englischen wird die Forschungsexpedition als 'exploration' bezeichnet, während im Deutschen die Exploration die Suche und das Erschließen von Rohstoffvorkommen bezeichnet, was wiederum durchaus die Aufgabe einer Expedition sein kann. Es kann abgeleitet werden vom lateinischen ex prolator 'se porter en avant vers l’extérieur'. 1)

Immer wird dabei die Unternehmung einer Gruppe verstanden, hierarchisch unterschieden werden Expeditionsleiter und Expeditionsteilnehmer. Das lässt sich so interpretieren, dass sowohl im Entstehungs- als auch im Verwendungszusammenhang Leistungen und Funktionen mehrerer Menschen erforderlich sind und koordiniert werden müssen.

Das kann unterwegs Hierarchie und Kommandostruktur erfordern anders als bei Reisegefährten. Das kann aber auch eine Ein-Mann-Expedition sein, wenn Entstehung und anschließende Verarbeitung in gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet sind.

Die Unternehmungen Einzelner (Abenteurer) als 'Expedition' zu bezeichnen wäre durch die genannten Kriterien nicht gerechtfertigt, weil ihre Zielsetzung ebenso isoliert formuliert wird, wie das Ergebnis eine persönliche Errungenschaft bleibt, der Maßstab wird nicht von außen angelegt.

Die Einführung des Begriffs im Sinne von Voyage oder Reisen

Die Fahrt von Giovanni 'John' Caboto (um 1450 bis nach 1498) 2) 1497 zur kanadischen Küste gilt als erste britische maritime Expedition. Da es keinerlei unmittelbare Dokumente dieser Fahrt gibt, bleibt unbekannt, ob sie auch damals schon als 'Expedition' bezeichnet wurde. Im königlichen Patent von 1496 heißt es „omni viagio suo“, in der englischen Übersetzung 'voyage'. Erstmals belegt ist der Begriff 'expedition' 1580:

  • Vera descriptio expeditionis nauticae Francisci Draci Angli, cognitis aurati qui quinq[ue] navibus probe instructis, ex occidentali Anglia parte anchoras soluens, tertio post decimo Decembris An[n]o MDLXXVII, terraru[m] orbis ambitum circumnavigans, unica tantu[m] navi reliqua (alijs fluctibus, alijs flamma correptis) redux factus, sexto supra vigesimo Sep. 1580

Die Karte wurde um 1587 von einem unbekannten Zeichner erstellt als eine verkleinerte Kopie der Karte, die Drake 1581 für Königin Elisabeth I. angefertigt hatte. Letztere ist verbrannt, die Kopie damit die älteste Karte der Weltumsegelung von Drake mit The Golden Hind. Diese Karte zeigt die Route der Weltumsegelung 1577–1580 mit einer hellbraunen Linie und die seiner Karibikreise 1585–1586 mit einer dunkelbraunen Linie. Drake, der als Kaperfahrer bekannt wurde, umsegelte 1577–1580 die Welt. Ob dies sein Auftrag war, ist unbekannt. Jedenfalls kaperte er spanische Schiffe und bescherte seinen Finanziers einen Gewinn von 4700 Prozent (Wikipedia).

  • Drake, Francis (1540?-1596)
    Expeditio Francisci Draki,… in Indias occidentales, a. M.D.LXXXV. Qua urbes, fanum D. Jacobi, D. Dominici, D. Augustini et Carthagena captae fuere…
    Leydae, apud Fr. Raphelengium.

Richard Hakluyt verwendet den Begriff 1582 häufig (Principal navigations).

Samuel Purchas verwendet den Begriff 'expedition' 1625 einige Male im Sinne von voyage, doch vergleichsweise selten und manchmal negativ konnotiert (fatall, miserable), was das Ergebnis einer solchen angeht, etwa zu Sir Francis Drakes letzter Fahrt: »Toomit other braue exploits neerer home, as that most glorious of 88, and the rest: our puposer is to give you the remote Voyages of this worthy Sea-man; and now lastly that last and fatall expedition Anno 1595 …« 3).

Gehäuft im Sinne von Entdeckungsfahrten erscheint der Begriff erst im 18. Jahrhundert, etwa:

  • Funnell, William
    A voyage round the world.: Containing an account of Captain Dampier's expedition into the south-seas in the ship St. George, in the years 1703 and 1704. With his various engagements, &c. …
    London 1707: Printed by W. Botham, for James Knapton, at the Crown in St. Paul's Church-Yard.

Immerhin hatte sich der Begriff so weit durchgesetzt, daß der schottische Schriftsteller Tobias Smollett (1721–1771) ihn 1771 im Titel (The Expedition of Humphry Clinker, Online) seines letzten und erfolgreichsten Romans verwendete. Die satirische Verwendung setzt eine allgemeine Vertrautheit mit dem Begriff voraus.

Im Französischen erscheint 'expedition' erstmals im Sinne von voyage und ohne militärischen Kontext 1618:

  • Histoire de l'expedition chrestienne en la Chine, entreprise par les Peres de la Compagnie de Jesus .
    Tirée des commentaires du Pere Mathieu Riccius [Ricci, Matteo (1552-1610)] … Traduite de latin en françois par T. C. D. A.
    A Paris, de l'imprimerie de Pierre Le-Mur, … M. D C XVIII. Avec privilege du Roy.

Im Deutschen erscheint 'Expedition' im Sinne von Reisen wohl zuerst bei Johann Joachim Schwabe, 1748 im ersten Band seiner Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser und Lande (Online). Auch bereits früher, aber dann als 'Alexanders' Expedition' (1715) oder 'Von der Argonauten Expedition' (1747), also noch im Sinne einer auch militärischen Unternehmung.

Im Spanischen wurden die Unternehmungen der Conquista armada de rescate, jornada oder entrada genannt, wobei nur die erste Bezeichnung sowohl die Mittel (Waffen) als auch das Ziel (Beute) benennt 4)

  • Vitus Huber
    Beute und Conquista. Die politische Ökonomie der Eroberung Neuspaniens
    (= Historische Studien, 76) Frankfurt am Main 2018: Campus, dort S. 170, 238.

Tabellarischer Sprachvergleich

Deutsch Englisch Französisch Spanisch Italienisch Niederländisch
Expedition expedition
exploration
expédition expedición spedizione expeditie
Entdeckungs-reise voyage of discovery voyage de découverte viaje de descubrimiento viaggio di scoperta ontdekkingsreis
Forschungs-reise research trip voyage d'exploration scientifique viaje de investigación viaggio di ricerca onderzoeksreis

Expeditionen zum Erschließen des Raumes

Raumvorstellungen

Expeditionen in unbekannte Räume und Richtungen

Expeditionen, die Routen erkunden

Ziele & Instruktionen

  • 1740 Müller, Gerhard Friedrich
    Instruktion G. F. Müller’s für den Akademiker-Adjuncten J. E. Fischer: „Unterricht, was bey Beschreibung der Völker, absonderlich der Sibirischen in acht zu nehmen.
    In: Fr. Russow: Beiträge zur Geschichte der ethnographischen und anthropologischen Sammlungen der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St.-Petersburg. Sbornik muzeja po antropologii i etnograifi poi imperatorskii akademii nauk/Publications du musée d’anthropologie et d’ethnographie de l’Académie impériale des sciences de St.-Pétersbourg. Bd. I, 37–83 und 84–109. St.-Pétersbourg 1900: Akademija Nauk/Académie Impériale des Sciences. zusammengestellt und mitgetheilt von Fr. Russow [Johann Eberhard Fischer (1697-1771)]
    • Bucher, Gudrun
      „Von Beschreibung der Sitten und Gebräuche der Völcker.“ Die Instruktionen Gerhard Friedrich Müllers und ihre Bedeutung für die Geschichte der Ethnologie und der Geschichtswissenschaft.
      (=Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa, 63) Hochschulschrift 264 S. Bibliogr. S. [219]–237 Stuttgart 2002: Franz Steiner
    • Jutta Heinz
      Ueber die Mittel Naturgeschichte gemeinnütziger zu machen (1799) – Bertuchs Entwurf eines populärwissenschaftlichen Forschungs- und Verlagsprogramms
      S. 659-671 in: Gerhard R. Kaiser, Siegfried Seifert (Hg.): Friedrich Justin Bertuch (1747-1822) – Verleger, Schriftsteller und Unternehmer im klassischen Weimar. Tübingen 2000. Online
    • Vermeulen, Han F.
      Gerhard Friedrich Müller et la genèse de l’ethnographie en Sibérie
      Encyclopédie Bérose des histoires de l'anthropologie. 2019 Online
  • 1772/73 Bacmeister, Hartwig Ludwig Christian
    Instruktion der physicalischen Expeditionen.
    In Russische Bibliothek 1: 89–90 Russische Bibliothek, zur Kenntniß des gegenwärtigen Zustandes der Litteratur in Rußland. 11 Bde. St. Petersburg, Riga und Leipzig. Online
  • 1768 Instructions for James Cook’s first expedition Manuskriptabbildung untertitelt mit:
    „These secret instructions were issued to Cook by the British Admiralty in 1768. After observing the transit of Venus from Tahiti, he was to investigate if there was land south of Tahiti. He was ordered to then sail towards Abel Tasman’s New Zealand to establish how far it extended to the east. The instructions make it plain that the British interest in the South Pacific was a mixture of scientific curiosity and the desire for trade and riches.“
    National Library of Australia Reference: NLA MS 2; John Wilson, European discovery of New Zealand – James Cook
    Te Ara – the Encyclopedia of New Zealand,(accessed 7 April 2026). Story by John Wilson, published 4 March 2009, updated 1 May 2016.

Organisation

Maritime Vorläufer von Expeditionen

Strukturell vergleichbar mit Expeditionen sind Handelsfahrten, die außerhalb bekannter Routen neue Märkte oder exklusive Waren suchten (→ Fernhandelsnetzwerke). Kaufleute, Schiffseigner und Schiffsführer koppeln sich dabei:

  • Kaufleute setzen Ziele und investieren Risikokapital;
  • Reeder leiten die Organisation: sie bauen ein Schiff, rüsten es aus und bemannen es;
  • Schiffsführer (Kapitän, Pilot) leiten durch ihr Wissen das Handlungssystem, sie beherrschen die Navigation und die Kartographie.

Ursprünglich waren diese drei Funktionen in Personalunion vereint, das Projekt war ein 'Abenteuer'.
Seehandelsunternehmungen (Commenda) entstanden, indem die Funktionen von Kapitalgeber, reisendem Kaufmann und Schiffseigner zwar verschiedenen Personen zufielen, die jedoch durch die Familie verbunden waren. In Familienverbänden fanden sich Kaufleute, Schiffseigner, Navigatoren, Kartographen und Kompassbauer:
Karte, Kartographen & Kartographie im 14. Jahrhundert
Karte, Kartographen & Kartographie im 15. Jahrhundert
Karte, Kartographen & Kartographie im 16. Jahrhundert

Im Unterschied zu europäischer Küstenfahrt unterliegen maritime Unternehmungen in unbekannte Räume besonderen Bedingungen:

Wochenlange Fahrten brachten neue Probleme mit sich:

Unter diesen Bedingungen erhält ein Bord- oder Schiffsarzt (früher: barber surgeon) eine andere Bedeutung. Findet sich ein solcher auf der Mannschaftsliste, ist dies ein Indiz für ebensolche Bedingungen.

Merkmale früher Expeditionen

Francis Drake (1540–1596) war ein bekannter Buccaneer im königlichen Auftrag und führte den Begriff der 'Expedition' für eine Unternehmung ein, die als erfolgreiche Kaperfahrt endete, die aber auch eine erfolgreiche Weltumsegelung (1577–1580) war und sich in beider Hinsicht von Vorgängern abhob.

William Dampier (1651–1715) war ein bekannter Buccaneer im königlichen Auftrag und benutzte den Begriff der 'Expedition' für seine Unternehmungen, die jedoch mehr seiner akribischen Beobachtungsergebnisse wegen berühmt wurden: Küstenlinien, Strömungskarten, biologische Beobachtungen auf Galapagos u.a.m.

Zwischen diesen beiden Fahrten ist ein Paradigmenwechsel zu beobachten. Die maritime Unternehmung nicht nur als militärische Option oder zum Erzielen einer Handelsrendite einzusetzen war neu, obwohl die zugrundeliegenden Sach- und Organisationssysteme es nicht waren. Doch die Ergebnisse enthalten Neues, Ungesehenes und Unerhörtes, erkennbar an den Titeln („account“, „relatio“ → Motsch: Reisesammlungen) der Reiseberichte.

Im 18. Jahrhundert sind funktionale Differenzierungen verschiedener Art zu beobachten:

  • Ab Anfang des 18. Jahrhunderts erscheint die Figur des Expeditionsmalers bei Expeditionen.
  • Mit den Landexpeditionen (Territorialisierung, Hinterland-Erschließung) erscheint die Figur des Vermessers.
    • 1728–1730 erreichte die Erste Kamtschatkaexpedition im Auftrag des russischen Zaren Peter I. Kamtschatka auf dem Landweg mit dem dänischen Marineoffizier Ivan Ivanovich (Vitus Ponesen) Bering (1681–1741) als Leiter. Dort baute die Expedition Schiffe und wurde maritim tätig. Neben den Leutnants Alexey Ilyich Chirikov und Martyn Petrovich Shpanberg sowie Peter Chaplin mit Seefahrern und Vermessern nahmen rund 60 Matrosen, Soldaten und Handwerker teil. 6)
  • Das System 'Expedition' nutzt das System 'maritime Unternehmung' nur als Transportsystem:
    • 1735 beauftragte Ludwig XV. den Astronomen Louis Godin (17044–1760) als Leiter, Charles-Marie de La Condamine (1701–1774) Mathematiker und Astronomen, Pierre Bouguer (1698–1758) als Astronom, Geodät und Physiker sowie Joseph de Jussieu (1704–1779) als Arzt und Botaniker mit einer Expedition via Santo Domingo und Panama in die südamerikanischen Gebiete am Äquator. Später kamen die spanischen Offiziere Jorge Juan (1713–1773) als Mathematiker und Astronom und Antonio de Ulloa (1716–1795) als Mathematiker sowie Pedro Vicente Maldonado (1704–1748) als Kartograph und Universalgelehrter hinzu.
  • Das System 'Universität' nutzt das System 'Expedition' fachwissenschaftlich fokussiert und systematisch:
    • 1746–1796: Der Botaniker Carl von Linné (1707–1778) sandte zwischen 1746 und 1796 17 Studenten (Linnés 'Apostel') als Ein-Mann-Expedition systematisch in alle Weltregionen zur botanischen Erkundung. Dabei nutzte er seine Verbindungen, um sie kostenlos auf Handelsschiffen oder bei anderen Expeditionen unterzubringen.
  • Jean-Jacques Rousseau bedauerte 1755, es gäbe nur vier Kategorien Reisender, die lange Reisen unternehmen: Seeleute, Kaufleute, Soldaten und Missionare, die jedoch alle ungeeignet seien, Wissen über den Menschen und die Welt zu erwerben, weil sie ihre je eigenen Perspektiven haben und abweichende Interessen verfolgen. 7)
  • Das System 'maritime Unternehmung' wird durch Figuren des Systems 'Expedition' ergänzt:
    • 1756 erörtert Charles de Brosse, Autor der Histoire des navigations aux Terres Australes, Wissenschaftler auf Entdeckungsreisen mitzunehmen. In der Einleitung knüpft er insbesondere an Maupertuis an 8)Entdecker & Erforscher
      • Ryan, Tom
        'Le Président des Terres Australes': Charles de Brosses and the French Enlightenment Beginnings of Oceanic Anthropology.
        Journal of Pacific History 37.2 (2002) 157-186.
        Verweist auch auf ähnliche Gedanken bei Voltaire (L'Essai sur les Mœurs, 1756).
  • Das System 'Handelsunternehmung' koppelt mit dem System 'Expedition':
    • 1788 gründete Sir John Banks in London die Association for promoting the Discovery of the Interior Parts of Africa, kurz: African Association. Diese war eine Interessengesellschaft, deren Mitglieder zahlten Beiträge, damit sie die Expeditionsergebnisse erhielten; kommuniziert wurde mittels Briefverkehr.
  • Ein geographisches Paradigma stellt die Expedition von Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland nach Lateinamerika (1799–1804) dar, die sich nicht mit der Erkundung von Küstenlinien begnügte, sondern systematisch das Innere eines Kontinents untersuchte (siehe das Zitat von Humboldt, 1848, bei Lecoquierre, welcher auf die Ableitung vom lateinischen ex prolator 'se porter en avant vers l’extérieur' hinweist, 9) ).
    • Bruno Lecoquierre
      L’usage du voyage en géographie
      Géographie et cultures 75 (2010) Online DOI
  • Im 19. Jahrhundert entstanden geographische Gesellschaften, die Expeditionen aufstellten und deren Ergebnisse publizierten, nun mit primär wissenschaftlicher Methodik und Zielsetzung (exploration):
    • 1821 die Société de Géographie als französische Gelehrtengesellschaft zur geographischen Forschung in Paris gegründet und älteste Geographische Gesellschaft der Welt; Publikationsorgan war das Bulletin de la Société de Géographie (1822–1899)
      • Lejeune, Dominique
        Les sociétés de géographie en France et l’expansion coloniale au XIXe siècle
        236 S. Paris 1993: Bibliothèque Albin Michel-Histoire. Rezension Online
    • 1828 entstand die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin zur »Beförderung der Erdkunde im weitesten Sinne des Worts durch mündliche oder schriftliche Mittheilung« mit Carl Ritter als erstem Vorsitzenden dieser Gelehrtengesellschaft. Die Erde (seit 1833) ist die älteste noch erscheinende Fachzeitschrift für Geographie der Erde.
    • 1830 entstand die Geographical Society of London , die 1831 mit der African Association von 1788 zur Royal Geographical Society RGS fusionierte; in ihr gingen später auf: der Raleigh Club, die Palestine Association und zuletzt das Institute of British Geographers. Damit ist sie die größte geographische Gesellschaft in Europa.

Organisationsschema & Figuren

Eine Expedition ist gekennzeichnet durch

  1. funktionale Differenzierung, die sichtbar wird durch unterschiedliche Figuren und deren Aufgaben;
  2. erhöhte Ansprüche an Autarkie und Autonomie durch entsprechende Vorsorge.
Figur/Funktion vorher unterwegs nachher Maritim
Reeder Ausrüstung, Bemannung
Auftraggeber Zielsetzung
Finanzierung
Kaufmann Investition
Expeditions-
leiter
Itinerar
Ausrüstung
Team (Auswahl)
Reiseberichte
Apodemik
Ausrüster
Kommando, Strategie
Verantwortung
Account
Relation
Kapitän Schiffsführer
Der Alltag unterwegs Lokale Experten
Stellvertreter Vorbereitung Organisation, Sicherheit Bericht 1. Offizier Arbeitsabläufe kordinieren,
Sicherheit überwachen
Wächter
Navigator Vorbereitung Orientierung
Kartographie
Karten Nautischer Offizier Navigation,
Kurs, Wetter
Führer Sichere Wege
Logistiker Vorbereitung Routen, Transport,
Permits, Nachschub
Bootsmann
Träger, Tierführer Lasten; Zug-/Lasttiere
Kommunikation
Dolmetscher Sprach- & Kulturtransfer
Quartiermeister Vorbereitung Verpflegung Smut
Koch
Ingenieur Vorbereitung Instandhaltung
Fahrzeuge, Ausrüstung
Maschinist
Handwerker Reparaturen
Schutz
Militär Verteidigung Verteidigung
Expeditions-
arzt
Gesundheit Barber-Surgeon
Schiffsarzt
Kleriker Religion Kirche
Experten: Beobachten, Sammeln, Dokumentieren
Naturforscher
Wissenschaftler
Messungen, Probenahme,
Sach-
dokumentation
Sammlung
Maler
Photograph
Bild-
dokumentation
Bilder
Hinterland-Erschließung
Vermesser Landschaften vermessen Messdaten

Das Schema ist idealtypisch vereinfacht. Varianten entstehen durch

Verweise

Literatur

  • Armston-Sheret, E.
    Why study the history of exploration? Dialogues in Human Geography
    14.1 (2024) 140-143.
  • Oliver Auge, Martin Göllnitz (Hg.)
    Mit Forscherdrang und Abenteuerlust : Expeditionen und Forschungsreisen Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
    (=Kieler Werkstücke, 49) 258 S. Frankfurt am Main 2017: Peter Lang. Inhalt Interdisziplinär und interuniversitär beschäftigen sich die zehn Beiträge der gleichnamigen Ringvorlesung Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit dem Phänomen von Expeditionen und Forschungsreisen am Beispiel Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (etwa Galathea-, Challenger- und Plankton-Expeditionen).
  • Julia Carina Böttcher
    Beobachtung als Lebensart : Praktiken der Wissensproduktion bei Forschungsreisen im 18. Jahrhundert
    Hochschulschrift Universität Regensburg (=Wissenschaftskulturen. Reihe 1, Wissensgeschichte, Bd. 2) 422 S. Stuttgart 2020: Franz Steiner. Inhalt
    Julia Carina Böttcher untersucht systematische verschiedene umfassend dokumentierte Reisen und rekonstruiert deren Handlungsmuster der Beobachtung als methodisch kontrollierte Form der Wissensproduktion.
  • Marie-Noëlle Bourguet
    Instruments, travel and science : itineraries of precision from the seventeenth to the twentieth century
    (=Routledge studies in the history of science, technology and medicine, 16) X, 303 S. London 2014: Routledge. Online, Inhalt u.a.:
    • Simon Schaffer
      Golden Means: Assay Instruments and the Geography of Precision in the Guinea Trade
    • Jim Bennett
      The Travels and Trials of Mr. Harrison's Timekeeper
    • Kapil Raj
      When Human Travellers Become Instruments: The Indo-British Exploration of Central Asia in the 19th Century Pundits
    • Richard Staley
      Travelling Light
    • David Turnball
      Travelling Knowledge: Narratives, Assemblage and Encounters
  • Brown, A. K., Bell, J., & Gordon, R.
    Expeditions, their Films and Histories: An Introduction.
    S. 1-30 in dieselben (Hg.): Recreating First Contact: Expeditions, Anthropology, and Popular Culture. Smithsonian Institution Scholarly Press. 2013
  • D. Graham Burnett
    Masters of All they Surveyed: Exploration, Geography, and a British El Dorado
    XV, 298 S. [8] Bl. Chicago 2000: University of Chicago Press.
    Die von der Vorstellung eines El Dorado beflügelte Entdeckungsgeschichte im Raum Guyana mit einem Schwerpunkt auf den Expeditionen von Robert H. Schomburgk (1804-1865).
  • Heather Dalton
    Merchants and Explorers: Roger Barlow, Sebastian Cabot, and Networks of Atlantic Exchange 1500-1560\\ 256 S. Oxford University Press, 2016, Inhalt u.a.:
    • Roger Barlow's World: Community, Guild & Family
    • The Mediterranean Origins of an Atlantic Trading Network
    • Gateway to Wealth: the English Trading Community in Seville
    • Networks of Atlantic Exchange
    • Roger Barlow, Robert Thorne & Hakluyt's Project
  • Tobias Delfs
    Koloniale Naturforschung und Südasien: Die Beteiligung deutscher Botaniker an der imperialen Wissensproduktion in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
    Humboldt-Universität zu Berlin. 242 S. Köln 2024: Böhlau. Inhalt
  • Donnert, E.
    Russische Forschungsreisen und Expeditionen im 18. Jahrhundert.
    S. 70-98 in: E. Donnert (Hg.): Gesellschaft und Kultur Rußlands in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Teil 2: Literatur, Wissenschaft und Bildung. Halle 1983
  • Driver, Felix
    Distance and Disturbance. Travel, Exploration and Knowledge in the Nineteenth Century
    Transactions of the Royal Historical Society 14 (2004) 73–92
  • Driver, Felix
    Hidden Histories Made Visible? Reflections on a Geographical Exhibition.
    Transactions of the Institute of British Geographers 38.3 (2013) 420–435.
  • Iris H.W. Engstrand
    Spanish-Scientists in the New World, the Eighteenth-Century Expeditions.
    XIV, 220 S. Seattle 1981: University of Washington Press. Online
  • Fellner, Hannes A.
    The expeditions to Tocharistan.
    Instrumenta Tocharica 1 (2007) 13-36. Online
    Eine vergleichende Übersicht zu 3 britischen, 4 deutschen, einer französischen, 3 japanischen und 5 russischen Expeditionen.
  • Fleetwood, Lachlan
    Science on the Roof of the World: Empire and the Remaking of the Himalaya.
    Cambridge University Press, 2022.
  • Nigel Gifford
    Expeditionen. Handbuch für Planung u. Praxis: Konzeption, Finanzierung, Anreise, Nahrung, Ausrüstung, Logistik und Führung
    Pietsch Stuttgart 1984
    1.A. 221 S. 8 Farbtfll., SW-Abb. i. Text. Inhalt
  • Johannes Görbert
    Die Vertextung der Welt. Forschungsreisen als Literatur bei Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso
    (=WeltLiteraturen, 7) VI, 423 S. Ill., Kt. Berlin 2014: De Gruyter. Inhalt
  • Gräbel, Carsten
    Die Erforschung der Kolonien: Expeditionen und koloniale Wissenskultur deutscher Geographen, 1884-1919.
    Zugl.: Konstanz, Univ., Diss., 2012. 404 S. Bielefeld 2015: transcript. Inhalt
    Untersucht wird auch der Alltag von Geographen unterwegs: Karawanen, Expeditionslogistik, Gewaltmärsche, Expeditionsvorbereitung, Messungen, Fotografieren, Zeichnen und Sammeln, Erkundigungen
  • Habermas, Rebekka
    Intermediaries, Kaufleute, Missionare, Forscher und Diakonissen. Akteure und Akteurinnen im Wissenstransfer.
    S. 27–48 in: Habermas, Rebekka; Alexandra Przyrembel (Hg.): Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne, Göttingen 2013: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Hasinoff, Erin L.; Joshua A. Bell (Hg.)
    The Anthropology of Expeditions: Travel, Visualities, Afterlives.
    XIII, 286 S. New York City, NY 2015: Bard Graduate Center. Inhalt Beiträge von Anthropologen und Wissenschaftshistorikern, um die Rolle dieser Reisen in der Naturgeschichte und Anthropologie zwischen etwa 1890 und 1930 zu untersuchen.
  • Hössli, Hans
    Polarexpeditionen und ihre Ausrüstung
    Ski. Jahrbuch des schweizerischen Skiverbandes 9 (1913) 4–25.
  • Marianne Klemun, Johannes Mattes
    Expeditionen und Forschungsreisen (1847–1918). Die kaiserliche Akademie als Förderer und Veranstalter.
    Kapitel 5, S. 197-273 in: Die Österreichische Akademie der Wissenschaften 1847–2022 (=Denkschriften der Gesamtakademie, 88) 2022 Online
    Studien- und Forschungsreisen sowie Expeditionen lassen sich nicht scharf voneinander abgrenzen. Ihnen gemeinsam ist die mobile Praxis der Wissensaneignung und -produktion: „Jede Forschungsreise beginnt nicht mit der Abreise und endet nicht mit der Rückkehr, sondern hat sowohl ein Vor- als auch ein Nachleben. … Die bedeutenden Exponate in Museen, insbesondere im Wiener Naturhistorischen Museum, stammen aus Expeditionen …“
  • Marianne Klemun
    Expeditions and fieldwork in earth sciences.
    S. 1-24 in: Handbook of the Historiography of the Earth and Environmental Sciences. Cham 2024: Springer. Online
  • Martin, Peter R., Edward Armston-Sheret
    Off the Beaten Track? Critical Approaches to Exploration Studies.
    Geography Compass 14.1 (2020): e12476. doi:10.1111/gec3.12476.
  • Eduardo González Muñiz
    Grasping the volk. Manuals for explorers and the concept of ethnological fieldwork in the late 19th century Germany
    (=Dissertation.de, 1727) 225 S. [Berlin] 2015: Winter Industries. Inhalt
  • G. Neumayer
    Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen.
    Mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse der kaiserlichen Marine.
    56 Holzschnitte, 3 lithogr. Tafeln, 696 S. Darin u.a. beispielhaft die »Skizze meines Weges am 1. Mai 1870 … drei Stunden bis Jerusalem … unterwegs entworfen von H. Kiepert
  • Vitalis Pantenburg
    Expedition heute. Wissenschaft unterwegs
    Schwann Düsseldorf 1967
    1.A. 199 S. 48 SW-Tfll.
    Pantenburg schildert die Probleme wissenschaftlicher Forschungsreisen in allen Teilen der Welt, in der Wüste wie in der Arktis, an konkreten Beispielen.
  • Christine Peters
    Die Weltreiseberichte von Humboldt, Krusenstern und Langsdorff : Praktiken des Vergleichens und Formen von Weltwissen
    (=Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, 162) VI, 307 S. Berlin 2022: De Gruyter. Inhalt u.a.:
    • Das Korpus: Deutschsprachige Weltreiseberichte, S. 14–20
  • Pfäffli, Lea
    Arktisches Wissen. Schweizer Expeditionen und dänischer Kolonialhandel in Grönland (1908–1913)
    (=Globalgeschichte, 32) 201 S. Frankfurt 2021: Campus Online
  • Alexander V. Podossinov
    Wissenschaftliche Reisen in der Antike.
    S. 170–179 in: Larissa Polubojarinova, Marion Kobelt-Groch, Olga Kulischkina (Hg.): Phänomenologie, Geschichte und Anthropologie des Reisens. Kiel, 2015.
  • Ursula Rack
    Sozialhistorische Studie zur Polarforschung anhand von deutschen und österreich-ungarischen Polarexpeditionen zwischen 1868-1939. Social-historic study of polar exploration based on German and Austrian-Hungarian polar expeditions between 1868-1939
    = Dissertation im Fachbereich Wirtschafts-und Sozialgeschichte der Universität Wien 2009. Berichte zur Polar- und Meeresforschung (Alfred-Wegener-Institut für Polar-und Meeresforschung in Bremerhaven) 618 (2010) Online
  • Teresa Segbers
    Abenteuer Reise Erfahrungen bilden auf Exkursionen
    Hochschulschrift Univ. Frankfurt/Main, VI, 366 S. Berlin 2018: Lit. Inhalt
  • Thomas, Martin (Hg.)
    Expedition into empire: Exploratory journeys and the making of the modern world.
    New York 2015: Routledge. DOI Darin u.a.:
    • Thomas, Martin
      What is an expedition? An introduction.
    • Adriana Craciun
      What Is an Explorer?
  • Benoît Tollu, Patrick Arnaud, Etienne Taillemite(Vorwort)
    Une histoire métallique des régions polaires : musée imaginaire
    Anhand der Medaillen und Plaketten, die Personen und Expeditionen ehrten, wird eine Enzyklopädie der Entdeckungsgeschichte der Pole entworfen. Das erste Kapitel enthält 35 alphabetisch geordnete Pesönlichkeiten, Albert I. von Monaco bis Wegener, unter anderem Amundsen, Bering, Bougainville, Charcot, Kerguelen, Lapérouse, Shackleton und umfasst damit fast die Hälfte des Buches. Ein weiteres umfangreiches Kapitel widmet sich Expeditionen und Missionen vom 18. Jahrhundert bis in die jüngere Zeit, von Maupertuis' Reise nach Lappland zur Vermessung des Meridians bis zu den französisch-sowjetischen Polarweltraumexperimenten von 1981.
  • Jane Amanda Wess
    The Role of Instruments in Exploration: A Study of the Royal Geographical Society 1830-1930
    PhD in Geography The University of Edinburgh 2017 356 S. Bibliogr. 278–309, Liste der Geräte S. 310–355. DOI
  • Zimmermann, Christian v.
    Wissenschaftliches Reisen, reisende Wissenschaftler.
    Studien zur Professionalisierung der Reiseformen zwischen 1650 und 1800.

    142 S. Heidelberg 2003: Palatina.

Ärzte unterwegs: Schiffsarzt, Expeditionsarzt, Missionsarzt

1)
Yves Lacoste ((Lacoste, Y.
De la géopolitique aux paysages - Dictionnaire de géographie
Paris 2003: Armand Colin; =Dicionário de geografia : da geopolitíca às paisagens Lissabon 2005; ziziert nach Lecoquierre, s.u.
2)
Sein Sohn Sebastian Cabot (1472–1557) war nach eigener Aussage dabei.
3)
Purchas, Samuel
Purchas his pilgrimes
In five bookes. Vol. 4. 1625. Online
5)
Nixon 1946, S. 145
6)
Lev Semyonovich Berg (1876–1950)
Открытие Камчатки и экспедиции Беринга 1725—1742. Часть I. Первая экспедиция Беринга к Берингову проливу (1725—1730), ]5]: Online
7)
Jean-Jacques Rousseau
Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes
Paris 1755, Note X. Hier zit. nach: Œuvres Complètes De j. J. Rousseau. Tome I Paris 1823: chez p. Dupont, libraire-editeur. Fußnote 10 S. 336-342, Online
8)
Lorsque les petites lettres de M de Mau pertuis contenant divers articles de projets propres à l avancement des sciences eurent été publiées après la lecture qui en fut faite au premier moment de leur nouveauté dans une assemblée particulière de gens de lettres l au teur de l histoire qu on donne ici parla pen dant une demie heure à cette occafion fur le pre mier article des projets qu on venoit de lire où l on propose de travailler à faire de plus gran des découvertes dans les Terres australes Il se trouvoit fort au fait de cette matière sur la quelle il avoit eu la même pensée & qu il avoit dès long tems examinée en citoyen & en géographe Il étoit par conféquent en état d ex pliquer dans un plus grand détail de circonftan ces ce que les petites lettres n avoient voulu que proposer en très peu de mots
9)
Lacoste, Y.
De la géopolitique aux paysages - Dictionnaire de géographie
Paris 2003: Armand Colin; =Dicionário de geografia : da geopolitíca às paisagens Lissabon 2005
wiki/expeditionen.1775874021.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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