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wiki:wandermoench

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wiki:wandermoench [2025/05/06 05:04] – [Literatur] Norbert Lüdtkewiki:wandermoench [2026/04/15 16:31] (aktuell) – ↷ Links angepasst, weil Seiten im Wiki verschoben wurden 47.79.194.136
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 ====== Wandermönch ====== ====== Wandermönch ======
-Wandermönche (engl. itinerant monk, franz. moines  itinérants, lat. [[wiki:peregrinatio|peregrinatio]] religiosa) im weitesten Sinne als spirituelle Sucher sind oft Teil von Religionen, berühren und vermischen sich jedoch mit Asketen, Bettelmönchen (engl. mendicants), Eremiten, [[wiki:scholar|Scholaren]], [[wiki:vaganten|Vaganten]], [[wiki:wanderradikalismus|Wandercharismatikern]], Wanderphilosophen, [[wiki:wanderpoeten|Wanderpoeten]], sofern dabei das Ziel der spirituellen Transformation im Vordergrund steht.+Wandermönche (engl. itinerant monk, franz. moines  itinérants, lat. [[wiki:peregrinatio|peregrinatio]] religiosa) im weitesten Sinne als spirituelle Sucher sind oft Teil von Religionen, berühren und vermischen sich jedoch mit Asketen, Bettelmönchen (engl. mendicants), Eremiten, [[wiki:scholar|Scholaren]], [[wiki:wanderradikalismus|Wandercharismatikern]], Wanderphilosophen, [[wiki:wanderpoeten|Wanderpoeten]], sofern dabei das Ziel der spirituellen Transformation im Vordergrund steht.
  
 ==== Die indischen Wandermönche ==== ==== Die indischen Wandermönche ====
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   - [[wiki:waldeinsamkeit|Waldeinsiedler]] (vânapattha) allein oder mit Frau   - [[wiki:waldeinsamkeit|Waldeinsiedler]] (vânapattha) allein oder mit Frau
   - bettelnder [[wiki:Wandermönch|Wandermönch]] mit asketischem Ideal (paribbâjaka, parivrajaka)   - bettelnder [[wiki:Wandermönch|Wandermönch]] mit asketischem Ideal (paribbâjaka, parivrajaka)
-Das Wandergebot untersagte dem Bettelmönch (bhikkhu) über Nacht in einem Dorf zu bleiben, denn es sollten keine Bindungen aufgebaut werden. Der »Wanderstabträger« [[wiki:dandin|Dandin]] (sanskrit `Stabträger´) sollte sich von Almosen ernähren und klopfte an alle Türen, dort galt er als //Atit//, wörtlich `der unerwartete [[wiki:gast|Gast´]]. Für sein [[wiki:reisegepaeck#Vor rund 3.000 Jahren|Reisegepaeck]] galten sehr genaue, minimalistische Regeln, diese unterschieden sich im Einzelnen für +Das Wandergebot untersagte dem Bettelmönch (bhikkhu) über Nacht in einem Dorf zu bleiben, denn es sollten keine Bindungen aufgebaut werden. Der »Wanderstabträger« [[wiki:dandin|Dandin]] (sanskrit `Stabträger´) sollte sich von Almosen ernähren und klopfte an alle Türen, dort galt er als //Atit//, wörtlich `der unerwartete [[wiki:gast|Gast´]]. Für sein [[wiki:reisegepaeck#Vor rund 3.000 Jahren|Reisegepaeck]] galten sehr genaue, minimalistische Regeln, diese unterschieden sich im Einzelnen (→ [[reisegepaeck#Vor rund 3.000 Jahren|Reisekleidung]]) für 
   * Veda-Schüler im 3. Jahrtausend vor Christus   * Veda-Schüler im 3. Jahrtausend vor Christus
   * Brahmanische Bettel-Asketen dandamānava   * Brahmanische Bettel-Asketen dandamānava
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 Im **Christentum** stehen Wandermönche ursprünglich in der Tradition der [[wiki:sendung|Aussendung]] der [[wiki:per_pedes_apostolorum|Apostel]] (`Gesandte´) durch Christus, so dass bis zum Konzil von Nicäa 323 n. Chr. christliche Gemeinden in Asien, Afrika und Europa bestanden, von Äthiopien bis Indien, vom Schwarzen Meer bis Britannien ((''Adolf von Harnack''\\ //Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten//\\  J.C. Hinrichs: Leipzig 1906)). Im **Christentum** stehen Wandermönche ursprünglich in der Tradition der [[wiki:sendung|Aussendung]] der [[wiki:per_pedes_apostolorum|Apostel]] (`Gesandte´) durch Christus, so dass bis zum Konzil von Nicäa 323 n. Chr. christliche Gemeinden in Asien, Afrika und Europa bestanden, von Äthiopien bis Indien, vom Schwarzen Meer bis Britannien ((''Adolf von Harnack''\\ //Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten//\\  J.C. Hinrichs: Leipzig 1906)).
  
-Für die frühesten urchristlichen Wandermönche findet sich der Begriff //Sarakwte// (sarakôte, korrumpiert sarabaitae) ab dem [[wiki:reisegenerationen#Zwischen Mittelalter und Antike|4. Jahrhundert]] in koptischen und später ägyptischen Texten; sie werden griechisch als παράσιτος //parásitos// `Tischgenosse, Schmarotzer´ (engl. freeloader) bezeichnet, arabisch als //rahhâlin// `Wanderer´, lateinisch als //gyrovagus//. Als //agapète// bezeichnet lebten die Kleriker mit einer Frau (Agapetae) zusammen ((''Crum, W. E.''\\ //A Coptic dictionary//. Oxford 1939: Clarendon Press. S. 316 (sa), 354–55 (sarakwte), 494a. 9\\  +Für die frühesten urchristlichen Wandermönche findet sich der Begriff //Sarakwte// (sarakôte, korrumpiert sarabaitae) ab dem [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Zwischen Mittelalter und Antike|4. Jahrhundert]] in koptischen und später ägyptischen Texten; sie werden griechisch als παράσιτος //parásitos// `Tischgenosse, Schmarotzer´ (engl. freeloader) bezeichnet, arabisch als //rahhâlin// `Wanderer´, lateinisch als //gyrovagus//. Als //agapète// bezeichnet lebten die Kleriker mit einer Frau (Agapetae) zusammen ((''Crum, W. E.''\\ //A Coptic dictionary//. Oxford 1939: Clarendon Press. S. 316 (sa), 354–55 (sarakwte), 494a. 9\\  
-''Vycichl, Werner, Rodolphe Kasser'' //Dictionnaire étymologique de la langue copte//. Leuven 1983: Peeters. S. 196\\+''Vycichl, Werner, Rodolphe Kasser''\\ //Dictionnaire étymologique de la langue copte//.\\ Leuven 1983: Peeters. S. 196\\
 ''W. Westendorf''\\ //Koptisches Handwörterbuch//\\ Heidelberg: Carl Winter 1965, 1977), S. 194\\   ''W. Westendorf''\\ //Koptisches Handwörterbuch//\\ Heidelberg: Carl Winter 1965, 1977), S. 194\\  
 ''Cerny, Joseph''\\ //Coptic etymological dictionary//\\ Cambridge 1976: Cambridge University Press)). ''Cerny, Joseph''\\ //Coptic etymological dictionary//\\ Cambridge 1976: Cambridge University Press)).
  
-  * ''Monica J. Blanchard''\\ Sarabaitae and Remnuoth: Coptic Considerations\\ S. 49-60 in: ''Goehring, James E., Janet Timbie, D. W. Johnson''. 2008. //The world of early Egyptian Christianity//: language, literature, and social context : essays in honor of David W. Johnson. +  * ''Monica J. Blanchard''\\ //Sarabaitae and Remnuoth: Coptic Considerations//\\ S. 49-60 in: ''Goehring, James E., Janet Timbie, D. W. Johnson''. 2008. //The world of early Egyptian Christianity//: language, literature, and social context : essays in honor of David W. Johnson. 
-  * ''Caner, Daniel''\\ //Wandering, begging monks//\\ Spiritual authority and the promotion of monasticism in late antiquity.\\ (zugleich: Wandering, begging monks, social order and the promotion of monasticism in the Roman east, **360-451 CE**. Diss. Berkeley 1998) XIV, 325 S., Berkeley, California: University of California Press, 2020. Eine umfassende Untersuchung über die dem apostolischen Ideal folgenden Wandermönche insbesondere des [[wiki:reisegenerationen#Zwischen Mittelalter und Antike| 4. und 5. Jahrhunderts]]. Inhalt:+  * ''Caner, Daniel''\\ //Wandering, begging monks//\\ Spiritual authority and the promotion of monasticism in late antiquity.\\ (zugleich: Wandering, begging monks, social order and the promotion of monasticism in the Roman east, **360-451 CE**. Diss. Berkeley 1998) XIV, 325 S., Berkeley, California: University of California Press, 2020. Eine umfassende Untersuchung über die dem apostolischen Ideal folgenden Wandermönche insbesondere des [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Zwischen Mittelalter und Antike| 4. und 5. Jahrhunderts]]. Inhalt:
     * Wandering in the desert and the virtues of manual labor     * Wandering in the desert and the virtues of manual labor
     * Apostolic wanderers of third-century Syria     * Apostolic wanderers of third-century Syria
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   * ''Jean Leclerq''\\ //Mönchtum und Peregrinatio im Frühmittelalter//\\ In: Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte. 55 (1960) 212–225   * ''Jean Leclerq''\\ //Mönchtum und Peregrinatio im Frühmittelalter//\\ In: Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte. 55 (1960) 212–225
  
-Die für das [[wiki:reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalter]] maßgebliche //regula benedictini// bewertete um 540 n. Chr. die Mönchsformen jedoch neu und setzte zum einen die [[wiki:stabilitas_loci|stabilitas loci]] an erste Stelle und setzte zum anderen die Lebensformen als [[wiki:einzelne|Einzelner]] hintan:+Die für das [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalter]] maßgebliche //regula benedictini// bewertete um 540 n. Chr. die Mönchsformen jedoch neu und setzte zum einen die [[wiki:stabilitas_loci|stabilitas loci]] an erste Stelle und setzte zum anderen die Lebensformen als [[wiki:einzelne|Einzelner]] hintan:
 ^ Mönchsform ^Lebensweise ^Bewertung ^ ^ Mönchsform ^Lebensweise ^Bewertung ^
 ^ Anachoreten | Mönche als [[wiki:waldeinsamkeit|Einsiedler im Wald]] | sehr gut & sehr schwer| ^ Anachoreten | Mönche als [[wiki:waldeinsamkeit|Einsiedler im Wald]] | sehr gut & sehr schwer|
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 ==== Die irischen Wandermönche ==== ==== Die irischen Wandermönche ====
  
-Unabhängig davon zogen im Nordwesten Europas die //irischen Wandermönche// mit ihrem [[wiki:stock_und_stab|Stab]] ab dem [[wiki:reisegenerationen#6./7. Jahrhundert|6. Jahrhundert]] missionierend durch Europa, der [[wiki:peregrinus|peregrinatio propter deum]] folgend. ''Columban von Luxeuil'' verließ als erster irischer Mönch mit einigen Begleitern die Britischen Inseln mit dem Ziel, auf dem Kontinent den christlichen Glauben zu verbreiten. Nach seinem Tod 615 vermachte er seinen [[wiki:stock_und_stab|Krummstab]] dem ''Gallus'' († 645), wie er ein irischer Wandermönch, der das Kloster Sankt Gallen gründete. Mit Columban, Gallus und Eustatius begann die »iroschottische Mission«, die im [[wiki:reisegenerationen#6./7. Jahrhundert|7. Jahrhundert]] im fränkischen Raum zu rund 300 Klostergründungen führte. Anders als Asketen und Eremiten lebten sie ihren Glauben aktiv, wandernd und missionierend. Zugeschrieben werden ihnen die Loricae (lat. Brustpanzer), frühmittelalterliche Schutzgebete, die (auch) als [[wiki:reisesegen|Reisesegen]] verwendet wurden. Aus heutiger Sicht würde man diesen Mönchen Neugier, Wandertrieb und Abenteuerlust unterstellen. Die [[wiki:peregrinus|peregrinatio]] galt ihnen als erstrebenswert und vorbildhaft. Klöster wurden in ländlichen Regionen gegründet, so dass sich der Aufbau einer praktisch [[wiki:autarkie|autarken]] Gemeinschaft mit der notwendigen [[wiki:einfachheit|Einfachheit]] der Lebensführung verband. Spätestens zu Beginn der Neuzeit galt die Lebensführung nicht mehr vorteilhaft und der Wandermönch ''[[wiki:irides|Irides]]'' suchte bettelnd seine Vorteile. +Unabhängig davon zogen im Nordwesten Europas die //irischen Wandermönche// mit ihrem [[wiki:stock_stab|Stab]] ab dem [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#6./7. Jahrhundert|6. Jahrhundert]] missionierend durch Europa, der [[wiki:peregrinus|peregrinatio propter deum]] folgend. ''Columban von Luxeuil'' verließ als erster irischer Mönch mit einigen Begleitern die Britischen Inseln mit dem Ziel, auf dem Kontinent den christlichen Glauben zu verbreiten. Nach seinem Tod 615 vermachte er seinen [[wiki:stock_stab|Krummstab]] dem ''Gallus'' († 645), wie er ein irischer Wandermönch, der das Kloster Sankt Gallen gründete. Mit Columban, Gallus und Eustatius begann die »iroschottische Mission«, die im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#6./7. Jahrhundert|7. Jahrhundert]] im fränkischen Raum zu rund 300 Klostergründungen führte. Anders als Asketen und Eremiten lebten sie ihren Glauben aktiv, wandernd und missionierend. Zugeschrieben werden ihnen die Loricae (lat. Brustpanzer), frühmittelalterliche Schutzgebete, die (auch) als [[wiki:reisesegen|Reisesegen]] verwendet wurden. Aus heutiger Sicht würde man diesen Mönchen Neugier, Wandertrieb und Abenteuerlust unterstellen. Die [[wiki:peregrinus|peregrinatio]] galt ihnen als erstrebenswert und vorbildhaft. Klöster wurden in ländlichen Regionen gegründet, so dass sich der Aufbau einer praktisch [[wiki:autarkie|autarken]] Gemeinschaft mit der notwendigen [[wiki:einfachheit|Einfachheit]] der Lebensführung verband. Spätestens zu Beginn der Neuzeit galt die Lebensführung nicht mehr vorteilhaft und der Wandermönch ''[[wiki:irides|Irides]]'' suchte bettelnd seine Vorteile. 
-  * ''Arnold Angenendt''\\ //Die irische Peregrinatio und ihre Auswirkungen auf dem Kontinent vor dem Jahr 800//\\ In: Heinz Löwe (Hrsg.): Die Iren und Europa im früheren [[wiki:reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalter]] Band 1. Klett-Cotta, Stuttgart 1982, ISBN 3-12-915470-1, S. 52–79.+  * ''Arnold Angenendt''\\ //Die irische Peregrinatio und ihre Auswirkungen auf dem Kontinent vor dem Jahr 800//\\ In: Heinz Löwe (Hrsg.): Die Iren und Europa im früheren [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalter]] Band 1. Klett-Cotta, Stuttgart 1982, ISBN 3-12-915470-1, S. 52–79.
   * ''Thomas M. Charles-Edwards''\\ //The Social Background to Irish Peregrinatio//\\ In: David Greene, Brian Ó Cuív (Hg.): Myles Dillon Memorial Volume\\ Celtica Bd. 11, ISSN 0069-1399, The Dublin Institute for Advanced Studies, Dublin 1976, S. 43–59   * ''Thomas M. Charles-Edwards''\\ //The Social Background to Irish Peregrinatio//\\ In: David Greene, Brian Ó Cuív (Hg.): Myles Dillon Memorial Volume\\ Celtica Bd. 11, ISSN 0069-1399, The Dublin Institute for Advanced Studies, Dublin 1976, S. 43–59
  
wiki/wandermoench.1746507879.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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